Pflanzliche Immunabwehr - Vertiefung
Krankheiten, die von Pflanzenpathogenen – meist Pilze oder Bakterien – verursacht werden, verlaufen in mehreren Schritten (Pfeilmeier et al., 2016). Zunächst müssen die Mikroorganismen auf den Blättern der Pflanze überleben – eine große Herausforderung, da diese Umgebung durch UV-Strahlung, Austrocknung und andere Stressfaktoren geprägt ist. Pilze verbreiten sich über winzige Sporen, die in ihrer Funktion pflanzlichen Samen ähneln. Sie werden durch Wind, Regen oder Insekten verbreitet. Nach dem Kontakt mit dem Blatt, sondern die Sporen klebrige Substanzen ab, mit denen sie sich fest an der Blattoberfläche verankern. Anschließend bilden sie Hyphen – fadenartige Zellstrukturen –, die sich entweder oberflächlich ausbreiten oder in das Blattinnere eindringen, wo sie sich zwischen den Pflanzenzellen verzweigen (Doehlemann et al., 2017). Bakterien bewegen sich aktiv über die Blattoberfläche und setzen Stoffe frei, die entweder das Öffnen der Spaltöffnungen (Stomata) fördern oder die Blattstruktur so verändern, dass ein Eindringen erleichtert wird. Stomata sind winzige Poren in der Blattoberfläche, die den Gasaustausch und die Transpiration regulieren. Da sie potenzielle Eintrittspforten für Krankheitserreger darstellen, schließen Pflanzen sie bei der Erkennung mikrobieller Signale. Pathogene Bakterien haben jedoch Strategien entwickelt, um diese Abwehr zu umgehen: Sie verhindern aktiv das Schließen der Stomata und verschaffen sich so Zugang zum Blattinneren (Melotto et al., 2006). Viele Pilze nutzen eine andere Taktik: Sie bilden kuppelförmige Zellen, mit denen sie die äußerste Zellschicht des Blattes mechanisch oder durch zellwandauflösende Enzyme durchdringen. Ist diese Barriere überwunden, kommen unterschiedlichste Strategien zum Einsatz, um Zellfunktionen und Pflanzengewebe zugunsten des Erregers umzuprogrammieren. Bakterien und Pilze produzieren beispielsweise Toxine, die entweder direkt Pflanzenzellen schädigen oder durch molekulare Nachahmung pflanzlicher Signalstoffe deren Kommunikationswege stören. Spezialisierte pilzliche Erreger bilden sogenannte Haustorien – Infektionsstrukturen, die Nährstoffe gezielt aus lebenden Pflanzenzellen zum Pilz umleiten.
Eine häufig genutzte Strategie vieler Pathogene ist die Abgabe von Effektoren – Molekülen, die entweder in den Zellzwischenraum oder direkt in die Wirtszellen eingeschleust werden. Effektoren sind meist sekretierte Proteine oder spezielle Stoffwechselprodukte, die gezielt pflanzliche Signalwege manipulieren und Strukturen im Wirt verändern. Häufig unterdrücken sie die Immunantwort der Pflanze, manche können sogar den Stoffwechsel der infizierten Zellen komplett umprogrammieren. Dabei verfolgen verschiedene Erreger unterschiedliche Ziele: Biotrophe Pilze, die auf lebendes Pflanzengewebe angewiesen sind, halten infizierte Zellen so lange wie möglich am Leben, um sich weiter auszubreiten. Nekrotrophe Pilze hingegen töten Pflanzenzellen gezielt ab, um an deren Nährstoffe zu gelangen.
Pflanzen verfügen über erstaunlich effektive Abwehrmechanismen, die das Wachstum von Krankheitserregern eindämmen können. Wie genau diese Abwehrreaktionen das Fortschreiten einer Infektion jedoch unterbinden, ist bislang nur unvollständig verstanden (Jian et al., 2024). Die Forschung konzentrierte sich bisher vor allem auf die Erkennung von Erregern – ein Schritt, der oft schon genügt, um die Ausbreitung sehr unterschiedlicher Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze, Oomyceten, Viren oder Nematoden wirksam zu begrenzen. Welche zellulären Prozesse anschließend tatsächlich für die Abwehr sorgen, ist jedoch noch nicht umfassend verstanden.
Einer der am besten untersuchten Mechanismen ist die sogenannte Hypersensitivitätsreaktion (HR). Dabei töten Pflanzen gezielt eine begrenzte Zahl eigener Zellen ab, um die Ausbreitung des Pathogens zu verhindern und benachbarte Zellen zu alarmieren. Die HR wirkt vermutlich auf mehreren Ebenen: Sie kappt die Nährstoffversorgung, schafft physische Barrieren und begrenzt den Lebensraum des Pathogens – ein besonders wirksames Mittel gegen Krankheitserreger, die auf lebende Wirtszellen angewiesen sind (Balint-Kurti, 2019).
Die HR ist in der Regel eingebettet in ein ganzes Netzwerk weiterer Immunreaktionen, was die Identifikation der letztlich wirksamen Mechanismen erschwert. Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte ROS (reactive oxygen species) – hochreaktive, instabile Moleküle, die auf Sauerstoff, Wasser und Wasserstoffperoxid basieren. ROS können direkt toxisch auf eindringende Mikroben wirken, gleichzeitig aber auch als Signalmoleküle fungieren, die umfassende Immunreaktionen der Pflanze aktivieren (Qi et al., 2017). Darüber hinaus sind weitere Abwehrprozesse beteiligt: die Bildung und Freisetzung antimikrobieller Pflanzenstoffe (Phytoalexine; siehe Entdeckung der MAMPs), die gezielte Verstärkung der Zellwand sowie durch Kalziumionen vermittelte Ströme durch Membranen, die spezifische Signalkaskaden innerhalb der Pflanzenzelle auslösen.
Hinzu kommt eine weitere Erkenntnis: Resistenz und Hypersensitivitätsreaktion müssen nicht zwangsläufig miteinander verknüpft sein – das heißt, der programmierte Zelltod ist offenbar keine zwingende Voraussetzung dafür, dass eine Pflanze gegen ein Pathogen resistent ist.
Bestimmte Pflanzenkrankheiten – etwa die sogenannte Wurzelhalsgalle – entstehen durch tumorartige Wucherungen an der Kronenregion, also dem Übergang zwischen Wurzel und Spross. Ausgelöst werden diese Tumore durch das natürliche Bodenbakterium Agrobacterium tumefaciens. Dringt es über Wunden in das Pflanzengewebe ein, löst es dort eine unkontrollierte Zellvermehrung und schnelle Tumorbildung aus.
Bei der Untersuchung dieser Wucherungen entdeckten Forschende, dass Agrobacterium gezielt den Stoffwechsel pflanzlicher Zellen manipuliert. Der entscheidende Verdacht: Das Bakterium überträgt fremde DNA in das Genom der Pflanzenzelle.
Zunächst wurde diese Hypothese skeptisch betrachtet. Doch schon bald gelang der Nachweis, dass krankheitserregende Agrobacterium-Stämme ein ringförmiges DNA-Molekül enthalten – das sogenannte Ti-Plasmid (tumor-inducing plasmid), das in nicht-tumorbildenden Agrobakterienstämmen fehlt. Während der Infektion schleust das Bakterium einen Teil dieser DNA – die sogenannte T-DNA (transfer DNA) – in den Zellkern der Pflanze ein. Die T-DNA integriert sich in das pflanzliche Genom und programmiert das Wachstum der befallenen Zellen so um, dass sie unkontrolliert proliferieren und Tumorgewebe bilden. Es handelt sich um einen sogenannten „horizontalen Gentransfer“ zwischen zwei biologisch sehr unterschiedlichen Organismen – Bakterium und Pflanze.
Diese Entdeckung ebnete den Weg für eine elegante biotechnologische Anwendung: die Nutzung von Agrobacterium als natürliche „Genfähre“, um gezielt fremde Gene in Pflanzen einzuschleusen. Damit dies ohne krankhafte Tumorbildung möglich ist, entfernten Wissenschaftler:innen die tumorverursachenden Gene aus der T-DNA und ersetzten sie durch beliebige Zielgene. Der eigentliche T-DNA-Transfermechanismus blieb dabei vollständig funktionsfähig. Auf diese Weise kann die modifizierte T-DNA erfolgreich ins pflanzliche Genom integriert werden, ohne das Gewebe zu schädigen. Aus den so transformierten Zellen lassen sich fruchtbare transgene Pflanzen regenerieren, die das eingeführte „Wunschgen“ auch an ihre Nachkommen weitergeben.
Die Agrobacterium-vermittelte Transformation war ein Meilenstein der grünen Gentechnik. Erstmals wurde es möglich, Gene über Artgrenzen hinweg gezielt zu übertragen – eine Revolution gegenüber der bisherigen Züchtung, die auf langwierige sexuelle Kreuzungen innerhalb einer Art beschränkt war. Heute erlaubt dieser Ansatz nicht nur die gezielte Veränderung von Pflanzenmerkmalen, sondern auch die Produktion nützlicher Proteine in Pflanzen – etwa zum Schutz vor Schädlingen, Krankheiten oder Herbiziden.
Schon in den 1990er-Jahren war das Konzept sogenannter Elicitoren – Moleküle, die pflanzliche Abwehrreaktionen auslösen – gut etabliert. Doch ihre genaue chemische Natur, ihre Vielfalt und die dazugehörigen pflanzlichen Rezeptoren blieben weitgehend unbekannt. Man vermutete damals, dass es sich bei Elicitoren vor allem um Polysaccharide (Kohlenhydrate) handelte. Charakteristisch für ihre Wirkung war die Aktivierung antimikrobieller Substanzen, der sogenannten Phytoalexine.
Die einzigen bis dahin bekannten extrazellulären Elicitoren bakteriellen Ursprungs waren sogenannte Harpine. Auf der Suche nach ähnlichen Molekülen untersuchten Forschende das Bakterium Pseudomonas syringae pv. tabaci, einen Erreger, der Tabakpflanzen befällt. Dabei entdeckten sie überraschend nicht ein weiteres Harpin, sondern ein ganz anderes Protein: Flagellin – den Hauptbestandteil der bakteriellen Geißeln, die für deren Bewegung sorgen.
Bald zeigte sich, dass Pflanzen nur eine bestimmte, evolutionär stark konservierte Sequenz im Flagellin erkennen konnten. Diese wurde später als Mikroben assoziiertes molekulares Muster (MAMP, engl. microbe-associated molecular pattern) bekannt. Doch welches pflanzliche Rezeptorprotein war für die Erkennung dieses MAMPs verantwortlich?
Um dies herauszufinden, führten Wissenschaftler:innen eine Zufallsmutagenese der pflanzlichen DNA mit einer Chemikalie durch und suchten nach seltenen Pflanzenmutanten, die nicht mehr auf Flagellin reagierten. Dies führte zur Identifikation und Klonierung des ersten Pattern Recognition Receptors (PRR), der den Namen FLS2 erhielt (die Kandidaten FLS1 und FLS3 erwiesen sich später nicht als funktionelle Rezeptoren; Gómez-Gómez, 2000).
Was bedeutete diese Entdeckung für das Verständnis pflanzlicher Immunität? Als Forschende bakterielle Erreger direkt in die Pflanzenblätter injizierten, zeigten Wildtyp-Pflanzen und FLS2-Mutanten keinen Unterschied in ihrer Resistenz. Wurde der Erreger jedoch auf die Blattoberfläche gesprüht – also der natürliche Infektionsweg über die Spaltöffnungen (Stomata) gewählt – zeigten sich die FLS2-Mutanten deutlich anfälliger. Das deutete darauf hin, dass FLS2 an der Blattoberfläche, insbesondere an den Stomata, Flagellin erkennt und daraufhin die pflanzliche Abwehr aktiviert.
Diese wegweisenden Ergebnisse wurden 2004 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht (Zipfel et al., 2004). Bis dahin galt die Vorstellung, dass Flagellin ein pflanzliches Immunsignal auslösen könne, noch als spekulativ. Die Publikation markierte daher einen Wendepunkt – und machte Flagellin zum Modellsystem für die Erforschung pflanzlicher Immunantworten gegenüber Pathogenen.
Um das sogenannte zig-zag oder zig-zag-zig Modell (Zickzack- Model, Abbildung 4) der pflanzlichen Immunität zu verstehen, das erstmals 2006 konzipiert wurde (Jones and Dangl, 2006), ist es wichtig zu wissen, dass das pflanzliche Immunsystem aus mehreren Ebenen besteht – definiert durch zwei unterschiedliche Interaktionen zwischen Pflanze und Pathogen.
In der ersten Ebene, die außerhalb der Pflanzenzelle stattfindet, erkennen sogenannte Pattern-Recognition-Rezeptoren (PRRs), die sich in der Zellmembran der Pflanze befinden, pathogene Mikroben. Sie tun dies, indem sie bestimmte molekulare Muster (sogenannte Elicitoren) identifizieren, die charakteristisch für Mikroben sind. Diese Muster werden als mikrobielle oder pathogenassoziierte molekulare Muster bezeichnet – auf Englisch: MAMPs (Microbe-Associated Molecular Patterns) bzw. PAMPs (Pathogen-Associated Molecular Patterns). Ein Beispiel für ein solches MAMP ist Flagellin – ein Protein, das die fadenförmigen Geißeln vieler Bakterien bildet und für deren Fortbewegung notwendig ist. Gegen diese erste Immunebene kann das Pathogen kaum etwas ausrichten – ihre Aktivierung ist für Mikroben schwer zu vermeiden. Wäre das allerdings alles, gäbe es keine Pflanzenkrankheiten. Daher folgt eine zweite Immunebene, die größtenteils innerhalb der Pflanzenzelle abläuft: Pathogene schleusen sogenannte Effektoren in die Zelle ein, um die erste Abwehrschicht zu umgehen – entweder, indem sie die Erkennung durch die PRRs blockieren oder – häufiger – indem sie die nachgeschaltete Immunantwort der Pflanze stören. Würde die Interaktion zwischen Pflanze und Pathogen an dieser Stelle enden, wären Pflanzen dem Pathogen ausgeliefert. Deshalb existiert eine dritte Ebene: In dieser erkennt ein pflanzliches Resistenzprotein (R-Protein) den spezifischen Effektor des Pathogens – was einen zweiten Abwehrmechanismus in Gang setzt, der als Resistenzreaktion bezeichnet wird. Dieser ist oft mit dem programmierten Zelltod (Hypersensitivitätsreaktion) am Ort der Infektion verbunden, um dem Erreger das weitere Wachstum zu verwehren. Interessanterweise ist bislang unklar, wie genau diese Reaktion das Pathogenwachstum tatsächlich unterbricht. In der vierten Ebene versuchen Pathogene, auch diesen zweiten Abwehrmechanismus zu umgehen. Sie tun dies, indem sie ihr Repertoire an Effektoren verändern – konkret: Sie „werfen“ solche Effektoren ab, die von der Pflanze erkannt werden, und setzen stattdessen andere ein, um unerkannt zu bleiben.
In den letzten fünf Jahren hat die Forschung rasante Fortschritte darin gemacht zu verstehen, wie pflanzliche Immunrezeptoren aktiviert werden und wie sie die Erkennung von Krankheitserregern in wirksame Abwehrmaßnahmen umsetzen (Chai et al., 2023). Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte Resistosomen – großvolumige Proteinkomplexe, die bei der Aktivierung intrazellulärer Immunrezeptoren entstehen und als Schaltzentralen der pflanzlichen Immunantwort fungieren.
2019 gelang es erstmals, mithilfe der Kryo-Elektronenmikroskopie (Kryo-EM) die dreidimensionale Struktur eines pflanzlichen Resistosoms aufzuklären: des ZAR1-Komplexes aus der Modellpflanze Arabidopsis thaliana (Wang et al., 2019a; Wang et al., 2019b). Die mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Kryo-EM-Technologie erlaubt es, biologische Proben in gefrorenem Zustand in atomarer Auflösung zu untersuchen – eine Schlüsseltechnik zur Darstellung großvolumiger, komplexer Proteine.
Das aktivierte ZAR1-Resistosom ist ein ringförmiges Oligomer, das aus fünf identischen ZAR1-Molekülen besteht, sich in die Plasmamembran der Zelle einlagert und dort einen Ionenkanal bildet. Dieser ermöglicht einen gezielten Einstrom von Calciumionen (Ca²⁺), der in der Zelle eine rasche Immunantwort auslöst und so das Wachstum von Pathogenen eindämmt.
Die Entdeckung von ZAR1 war der Startschuss für eine ganze Reihe weiterer Studien zur Struktur und Funktionsweise von Resistosomen. Schon bald wurde ein ähnlicher Rezeptor in Weizen beschrieben, der ein Effektorprotein des Weizenrost-Erregers erkennt – ebenfalls in Form eines Pentamers (Förderer et al., 2022). Ein besonders spannender Befund: Pflanzen und Tiere nutzen offenbar ähnliche Strategien. In beiden Fällen bilden aktivierte Immunrezeptoren komplexe Oligomere, die
entscheidende Abwehrprogramme - bis hin zum Zelltod und vollständiger Resistenz gegenüber Krankheitserregern - in Gang setzen. (Hu und Chai, 2023).
In Pflanzen kristallisiert sich dabei ein zentrales Prinzip heraus: Resistosome bestimmter Rezeptorklassen wirken als durch Pathogene aktivierte Ionenkanäle in Zellmembranen. Durch die Öffnung dieser Kanäle strömen Calciumionen – universelle Signalmoleküle in allen Organismen – in die Pflanzenzelle ein und lösen dort die Immunabwehr aus. Aktuell wird intensiv untersucht, wie dieser Calciumanstieg im Zellinneren in koordinierte Abwehrprogramme übersetzt wird. Vieles spricht dafür, dass Pflanzen über ein gemeinsames „Calcium-Decodierungssystem“ verfügen, das diese Signale gezielt in Immunreaktionen überführt.
Neben den kanalbildenden Resistosomen gibt es eine zweite Hauptklasse, die nicht als Kanal, sondern als Enzym fungiert. Diese Resistosomen besitzen eine TIR-Domäne (Toll/interleukin-1/resistance), die ursprünglich in Bakterien entstand und dort der Abwehr gegenüber tödlichen Bakteriophagen (Viren) diente. Über die Evolution hinweg blieb diese Domäne erhalten – bis hin zum Menschen, wo sie zum Beispiel beim programmierten Zelltod von Nervenzellen eine Rolle spielt.
In Pflanzen erzeugen TIR-Domänen spezifische Signalmoleküle, die an pflanzliche Rezeptoren binden und deren Struktur verändern. Diese modifizierten Rezeptoren werden wiederum von sogenannten Helfer-Rezeptoren erkannt, die resistosom-ähnliche Calciumkanäle bilden (Jacob et al., 2021; Huang et al., 2022; Jia et al., 2022). Im Fall der pflanzlichen Immunabwehr ist ein entscheidender nachgelagerter Schritt des pflanzlichen Immunsystems also die Erkennung solcher modifizierter Wirtsproteine – auch bekannt als „modifiziertes Selbst“. Auch hier spielt Calcium eine zentrale Rolle in der Signalweitergabe. Spannend ist zudem: Neueste 3D-Strukturanalysen zeigen, dass pathogen- und selbstaktivierte Rezeptoren nach denselben molekularen Prinzipien funktionieren. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten, um gezielt Rezeptoren oder Signalkomponenten zu entwickeln – mit dem Ziel, Pflanzen gegen Krankheitserreger langfristig widerstandsfähiger zu machen.
CRISPR steht für Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats – regelmäßig angeordnete, kurze palindromische DNA-Wiederholungen. Das CRISPR-System zur Genom-Editierung basiert auf einer Endonuklease, meist dem Schneideenzym Cas9 (es existieren auch andere Varianten), die mithilfe einer sogenannten Guide-RNA – einer kurzen Leit-RNA – zielgerichtet programmiert werden kann.
Werkzeuge zur Genom-Editierung gibt es schon seit Jahrzehnten. Was CRISPR jedoch revolutionär macht, sind seine außergewöhnliche Flexibilität und hohe Präzision. Forschende aus verschiedensten Disziplinen können damit gezielt nahezu jede beliebige Stelle im Erbgut verändern. Seit seiner Etablierung als molekularbiologisches Werkzeug hat sich CRISPR weltweit in der Forschung durchgesetzt (Adli et al., 2018).
Zwar wurde das CRISPR-System bereits in den späten 1980er-Jahren in Bakterien entdeckt, doch erst in den 2000er-Jahren konnten Wissenschaftler:innen seine biologische Funktion entschlüsseln: Es handelt sich um ein Abwehrsystem, das Bakterien gegen Infektionen durch Bakteriophagen (Viren) schützt. Dabei nutzen sie CRISPR, um eindringende Viren zu erkennen und gezielt auszuschalten. Der Mechanismus dahinter: Dringt ein Virus in eine Bakterienzelle ein, „stiehlt“ das Bakterium einen Teil der viralen DNA und baut ihn in sein eigenes Genom ein. Bei einem erneuten Angriff kann es diesen Erreger dadurch schnell identifizieren und bekämpfen – ähnlich dem Gedächtnis des menschlichen Immunsystems, das Erreger mithilfe von Antikörpern wiedererkennt (Abbildung 5).
Frühere Werkzeuge zur Genom-Editierung basierten auf einzelnen, spezifisch entworfenen Proteinen, deren Aminosäuresequenz für jedes Zielgen mühsam angepasst werden musste – ein aufwendiger und fehleranfälliger Prozess.
Mit CRISPR wurde dieser Schritt entscheidend vereinfacht: Statt ein neues Protein zu entwerfen, genügt es, die Guide-RNA entsprechend anzupassen – eine technisch einfache und präzise Aufgabe. Das System funktioniert dabei wie ein GPS-Navigationsgerät: Die Guide-RNA führt das Cas9-Enzym punktgenau an die gewünschte Stelle im Erbgut, wo es beide DNA-Stränge durchtrennt.
Anschließend treten zelleigene Reparaturmechanismen in Aktion. Diese können gezielt Veränderungen einfügen – etwa durch das Einfügen oder Entfernen von Nukleotidbasen im DNA Strang – und so ein Gen ausschalten oder gezielt verändern.
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