Purva Naik, PhD

1. Was fasziniert Dich am meisten an der Pflanzenforschung?

Ehrlich gesagt habe ich anfangs das erlebt, was oft als „Pflanzenblindheit“ bezeichnet wird – Pflanzen waren mir weitgehend gleichgültig. Das änderte sich, als ich in einem bioinformatischen Labor mit Pflanzenfokus arbeitete. Durch das Lesen pflanzenwissenschaftlicher Literatur eröffnete sich mir eine völlig neue Sichtweise auf Pflanzen. Mir wurde bewusst, wie komplex die Pflanzenentwicklung tatsächlich ist, insbesondere die Blattform, bei der präzise reguliertes und koordiniertes lokales und globales Wachstum äußerst komplexe Morphologien wie die Vielfalt unterschiedlicher Blattformen hervorbringen kann. Was mich wirklich motiviert hat, war die Neugier, die mit der Zeit wuchs: Je mehr ich las und Daten analysierte, desto mehr Fragen entstanden. Dieses Gefühl der Neugier treibt meine Arbeit als Doktorandin bis heute an.

2. Erzähle uns kurz, welche wissenschaftlichen Fragen Du am MPIPZ nachgehst.

In der Natur zeigen Lebewesen eine große Vielfalt an Formen und Größen. Eine zentrale Frage der Biologie ist, wie Gene die Morphologie formen und diese Vielfalt hervorbringen. Pflanzenblätter nutze ich als Modellsystem, da sie in sehr unterschiedlichen Formen und Größen vorkommen. Wie wird Wachstum auf zellulärer und Gewebeebene koordiniert? Wie wird Wachstumshemmung durch Gene reguliert und wie beeinflusst sie die endgültige Form? Wie verändern Gene die Dynamik der Zellwand, um Wachstum zu ermöglichen? Dies sind die zentralen Fragen, an denen ich derzeit arbeite.

3. Wer oder was hat Dich in Deiner bisherigen Laufbahn besonders inspiriert?

Ich hatte das Glück, mit vielen Menschen zusammenzuarbeiten, die mich auf meinem Weg inspiriert haben. Die Hingabe und Begeisterung meines Gruppenleiters, meiner Kolleginnen und Kollegen sowie meiner Freundinnen und Freunde am MPIPZ und am IISER motivieren mich kontinuierlich und spornen mich an, bessere Wissenschaft zu betreiben. Auf einer persönlicheren Ebene sind meine aai (Mutter) und mein baba (Vater) seit meiner Kindheit meine konstanten Inspirationsquellen. Meine aai hat mir beigebracht, wie man lernt, tiefgehend denkt und Dinge versteht, während mein baba meine Neugier für die Natur und die Wissenschaft gefördert hat. Ihr Einfluss hat sowohl meine Persönlichkeit als auch meine heutige Herangehensweise an die Forschung geprägt.

4. Was war/ist für Dich die größte Herausforderung in Deiner bisherigen Karriere?

Eine der größten Herausforderungen für mich war es, meinen eigenen Forschungsstil zu finden und weiterzuentwickeln. Der Beginn einer Promotion kann überwältigend sein: ein Projekt zu managen, die Arbeit zu organisieren, Forschungsfragen wirklich zu durchdringen, Experimente zu planen und zu lernen, kreativ und kritisch zu denken – und das alles, während man mit Unsicherheiten umgeht und Selbstzweifel überwindet, wenn Dinge nicht wie geplant laufen. Was ich bisher gelernt habe, ist, keine Angst vor Fehlern zu haben, sondern aus ihnen zu lernen und sie nicht zu wiederholen.

5. Wie siehst Du Deine Zukunft in der Wissenschaft und warum?

Ich bin fest davon überzeugt, dass Wissenschaft für alle Menschen mit Neugier offen ist. Eines meiner Ziele ist es, diese Neugier zu fördern – insbesondere bei Kindern und in meinem Umfeld – damit sie Wissenschaft als zugänglich und spannend erleben. Gleichzeitig bereiten mir sowohl Forschung als auch Lehre große Freude, und ich hoffe, weiterhin eine Laufbahn verfolgen zu können, die es mir ermöglicht, wissenschaftliche Fragen zu erforschen und gleichzeitig andere dafür zu begeistern.

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