Mehak, PhD

1. Was fasziniert Dich am meisten an der Pflanzenforschung?

Am meisten fasziniert mich an der Pflanzenforschung, wie stark der Mensch Pflanzen im Laufe der Zeit – bewusst oder unbewusst – verändert hat. Kulturpflanzen wie Bananen oder Mais unterscheiden sich heute deutlich von ihren wilden Vorfahren. Diese Veränderungen sind das Ergebnis künstlicher Selektion, um menschliche Bedürfnisse zu erfüllen und eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Pflanzen sind Produzenten und eine zentrale Nahrungsquelle, und der Mensch war dabei äußerst kreativ in ihrer Gestaltung. Ich finde es faszinierend, wie stark wir Pflanzen verändert haben, selbst ohne gezielt Mutationen einzuführen, und wie sie – richtig eingesetzt – dazu beitragen können, viele Probleme zu lösen, insbesondere den Hunger.

2. Erzähle uns kurz, welche wissenschaftlichen Fragen Du am MPIPZ nachgehst.

Evolutionäre Prozesse hinterlassen nachweisbare Spuren in den Genomen. Die Analyse von Mustern genomischer Variation kann daher genutzt werden, um die evolutionäre Geschichte einer Art zu rekonstruieren und die Mechanismen evolutionärer Prozesse zu verstehen. Ich versuche, die evolutionäre Geschichte einer mehrjährigen Pflanze namens Arabis alpina zu rekonstruieren. A. alpina eignet sich aufgrund ihres großen geografischen Verbreitungsgebiets und ihrer phänotypischen Vielfalt besonders gut für solche Studien. Sie ist ein ideales System, um Selektion auf verschiedenen Ebenen zu untersuchen und unser Verständnis darüber zu erweitern, wie Demografie und lokale Selektionsdrücke zusammenwirken und zur Anpassung an extreme Umweltbedingungen führen.

3. Wer oder was hat Dich in Deiner bisherigen Laufbahn besonders inspiriert?

Die Menschen, die mich am meisten inspirieren, sind keine berühmten Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler, sondern starke Frauen, die ich aus nächster Nähe kenne: meine Mutter und meine Großmutter. Meiner Großmutter wurde eine höhere Bildung allein deshalb verwehrt, weil sie eine Frau war. Dennoch ist sie die lernbegierigste Person, die ich kenne – stets neugierig darauf, alles zu wissen und zu verstehen. Meine erste Begegnung mit den unterschiedlichsten Pflanzen hatte ich in ihrem Garten. Sie hat in mir eine tiefe Leidenschaft für Bildung geweckt.

Meine Mutter hingegen ist eine ambitionierte Mathematiklehrerin, die daran glaubt, Ziele für ihre Schülerinnen und Schüler erreichbar zu machen, von denen viele aus Familien mit begrenzten Ressourcen stammen. Sie hat mir den Wert sorgfältiger Planung vermittelt. Während meine Großmutter und mein Vater mich ermutigten, groß zu träumen, hat meine Mutter mir gezeigt, wie man plant, um diese Träume auch zu verwirklichen. Gemeinsam inspirieren sie mich, nicht nur neugierig zu bleiben und die Grenzen des Wissens zu erweitern, sondern dieses Wissen auch zu nutzen, um das Leben anderer zu verbessern.

4. Was war/ist für Dich die größte Herausforderung in Deiner bisherigen Karriere?

Die größte Herausforderung ist es, weit weg von meiner Heimat, meiner Familie und meinen Freundinnen und Freunden zu leben.

5. Wie siehst Du Deine Zukunft in der Wissenschaft und warum?

Ich möchte kontinuierlich spannende Fragen stellen und versuchen, sie zu beantworten. Ich glaube nicht an starre Grenzen zwischen „verschiedenen Arten“ von Wissenschaft und möchte mich auch nicht durch solche einschränken lassen. Derzeit sehe ich mich in der Evolutionsbiologie, möglicherweise unter Nutzung vieler unterschiedlicher Ansätze. Außerdem möchte ich in irgendeiner Form mit Wissenschaftsvermittlung verbunden sein. Nach allem, was ich bisher erfahren habe, empfinde ich es als sehr erfüllend, wenn man seine eigene Begeisterung für ein Fach an andere weitergeben kann.

 

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