Alice Marcon, Postdoc

1. Was fasziniert Dich am meisten an der Pflanzenforschung?

Pflanzen existierten auf der Erde schon lange vor den Tieren und haben sich so entwickelt, dass sie sich an nahezu jede Umwelt anpassen können. Dadurch haben sie die Ökosysteme geprägt, von denen wir heute alle abhängen. Am meisten faszinieren mich die feinen molekularen Mechanismen hinter der Plastizität und Anpassungsfähigkeit von Pflanzen – also wie Umweltreize in präzise molekulare Antworten übersetzt werden. Es gibt noch so viel zu entdecken, und es ist spannend zu sehen, wie neue Technologien das Fachgebiet voranbringen und dazu beitragen werden, nachhaltigere Wege im Umgang mit Pflanzen zu gestalten.

2. Erzähle uns kurz, welche wissenschaftlichen Fragen Du am MPIPZ nachgehst.

Am MPIPZ untersuche ich die molekularen Mechanismen, die die Blütenentwicklung in Arabidopsis regulieren, mit einem besonderen Fokus auf die Rolle von FLOWERING LOCUS T in floralen Primordien. Mich interessiert, wie Umweltsignale auf molekularer Ebene integriert werden, um die Blütenentwicklung auszulösen, und wie FT mit anderen Proteinen interagiert, um die Pflanzenentwicklung zu steuern. Ein tieferes Verständnis der molekularen Signalwege, die die Blüte kontrollieren, ist von zentraler Bedeutung, da es Einblicke in Pflanzenreproduktion und -anpassung liefert – Wissen, das entscheidend ist für die Entwicklung von Strategien zur Steigerung der Ernteerträge und zur Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft.

3. Wer oder was hat Dich in Deiner bisherigen Laufbahn besonders inspiriert?

Viele Menschen, denen ich während meiner akademischen Laufbahn begegnet bin, haben mich durch ihre Leidenschaft und ihr Engagement für ihre Arbeit inspiriert. Ihr Einsatz für die Wissenschaft und ihre Begeisterung für ihre Projekte haben mir die Kraft von Neugier, harter Arbeit und Durchhaltevermögen gezeigt und motivieren mich bis heute in meiner eigenen Karriere. Besonders inspirierend finde ich jene, die auch ohne alle Antworten die richtigen Fragen stellen und kreativ über Herausforderungen nachdenken.

4. Was war/ist für Dich die größte Herausforderung in Deiner bisherigen Karriere?

Eine der größten Herausforderungen in meiner bisherigen Karriere war es, motiviert zu bleiben, wenn Experimente nicht wie geplant funktionieren, und an mich selbst zu glauben, trotz Ablehnungen – sei es bei Förderanträgen oder Manuskripteinreichungen. Es kann entmutigend sein, viel Zeit und Energie in ein Projekt zu investieren und nicht die erwarteten Ergebnisse zu erzielen. Diese Erfahrungen haben mich jedoch Resilienz und die Bedeutung von Ausdauer gelehrt. Ich habe gelernt, Rückschläge als Chancen zu sehen, um Ideen zu verfeinern, Experimente zu verbessern und als Wissenschaftlerin zu wachsen – und mir immer wieder bewusst zu machen, dass Ablehnung oft einfach nur eine Umleitung ist.

5. Wie siehst Du Deine Zukunft in der Wissenschaft und warum?

Ich sehe meine Zukunft in der akademischen Forschung, da sie ein spannendes Umfeld bietet, das mich ständig dazu herausfordert, neugierig zu bleiben und weiter zulernen. Ich hoffe, eines Tages eine eigene Arbeitsgruppe zu leiten, mit einem Fokus auf Ertragssteigerung und Biofortifikation von Nutzpflanzen, möglicherweise in Zusammenarbeit mit Unternehmen, um zu nachhaltigeren Formen der Nahrungsmittelproduktion beizutragen. Außerdem möchte ich lehren, meine Begeisterung an Studierende weitergeben und mehr Menschen für die Pflanzenwissenschaft begeistern.

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