Aufbau und Schwerpunkt

Die Kulturpflanzenausstellung des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung

Abb. 1. Kulturpflanzenausstellung im Überblick Bild vergrößern
Abb. 1. Kulturpflanzenausstellung im Überblick

Hintergrund

Die Anforderungen an die moderne Pflanzenzüchtung wachsen ständig. Hohe Erträge allein reichen nicht mehr aus. Zunehmend spielen Qualitätseigenschaften und ökologische Aspekte eine Rolle. So sollen die Pflanzen widerstandsfähig gegen Schädlinge und Krankheiten sein, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verringern. Im Detail sind die Zuchtziele sehr komplex. Sie unterscheiden sich je nach Kulturart, Anbauregion und Verwertung.

Obwohl jeder von uns täglich pflanzliche Produkte als Lebensmittel verzehrt und in vielfältiger anderer Weise mit ihnen in Berührung kommt, geschehen heute allerdings Züchtung, Anbau und Weiterverarbeitung der Kulturpflanzen zumeist fernab des Alltags der Menschen. Insoweit ist es kaum verwunderlich, dass das Wissen um die Herkunft unserer Nutzpflanzen sowie grundlegende biologische und landwirtschaftliche Zusammenhänge einem Großteil der Bevölkerung weitgehend unbekannt sind.

Abb. 2. Beispiel einer Schautafel Bild vergrößern
Abb. 2. Beispiel einer Schautafel

Aufbau

Die Kulturpflanzenausstellung des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung bietet die Möglichkeit, sich mit einer Vielzahl unserer Kulturarten zu beschäftigen (Abb. 1). Über 80 verschiedene Kulturarten, vorwiegend des mitteleuropäischen aber auch des subtropischen Raumes, wachsen auf 5 m x 5 m großen Parzellen. Die Pflanzen werden im Frühjahr in praxisüblichen Abständen gesät bzw. nach der Anzucht im Gewächshaus gepflanzt. Sie sind nach der botanischen Familie und inhaltlichen Schwerpunkten angeordnet. Getreidearten, Hülsenfrüchte, Kreuz-, Korb- und Doldenblüter sind ebenso vertreten wie Nachtschatten-, Lilien-, Kürbis- und Gänsefußgewächse. An den Parzellen sind Schautafeln angebracht, die grundlegende Informationen zu jeder Pflanze geben (Abb. 2). Es wird deutlich, wo die Hauptanbaugebiete liegen, wie hoch durchschnittliche Erträge sind und wozu die Pflanzen verwendet werden. Angaben finden sich auch zur Geschichte und den aktuellen Zuchtzielen

Inhaltliche Schwerpunkte

Vor dem Hintergrund der lebenden Pflanzen lassen sich sehr vielfältige Themen aus den Gebieten Genetik, Evolution und Ökologie anschaulich behandeln. Inhaltliche Schwerpunkte sind beispielsweise

  • Domestikation
  • Mendelsche Erbregeln
  • Zuchtverfahren
  • Gentechnisch veränderte Pflanzen
  • Alte, in Vergessenheit geratene Kulturen
  • Nachwachsende Rohstoffe
  • Pflanzenkrankheiten

Die Kultivierung unserer Kulturpflanzen begann in der Jungsteinzeit. Im Verlaufe des etwa 10.000 jährigen Anpassungsprozesses - der Domestikation - hat der Mensch aus den vielfältigen Wildformen durch Auslese unsere Kulturpflanzen entwickelt. In einigen Fällen, wie beim Weizen, ging damit eine Vervielfältigung des Chromosomensatzes einher. So besitzt der heutige Kulturweizen genau wie eine Vorläuferform, der Dinkel, 42 Chromosomen und einen sechsfachen (hexaploiden) Chromosomensatz. Man geht davon aus, dass sich zunächst aus zwei Wildformen mit doppeltem (diploidem) Chromosomensatz durch spontane Kreuzung unter Beibehaltung der beiden vollständigen Chromosomenpaare der wilde Emmer mit vierfachem (tetraploiden) Chromosomensatz gebildet hat. Durch Kreuzung des wilden Emmers mit einem weiteren diploiden Wildweizen sind dann Dinkel und unser heutiger Kulturweizen entstanden. Auch aus den Vorstufen haben sich jeweils Kulturformen entwickelt. So gingen aus dem wilden Einkorn das Kultureinkorn und aus dem wilden Emmer der Kulturemmer und eine Reihe von anderen tetraploiden Weizen hervor, von denen der begrannte Hartweizen neben unserem Kulturweizen heute eine weite Verbreitung hat. Einkorn und vor allem Emmer waren schon in den frühesten steinzeitlichen Ackerbaukulturen mit Gerste wichtigste Getreidearten. Die komplette Entwicklungsreihe von Weizen ist in der Ausstellung zu finden (Abb. 3).

 
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